Ein gutes Value-Investing-Webinar

Über einen Link beim „großen Datenkraken“ bin ich auf das folgende interessante Webinar-Video zum Thema „Value Investing“ gestoßen:

Webinar Value Investing á la Warren Buffett

Der Redner hat das alles auf eine nette und lockere Art herübergebracht. Allerdings fielen mir ein paar Kleinigkeiten auf, die man vielleicht noch ein wenig erklären sollte. Fairerweise muss ich aber sagen, dass es für eine nur anderthalbstündige Live-Veranstaltung ziemlich gut war. Ein paar Darstellungen haben mich dazu angeregt, mich mit einigen einzelnen Sachverhalten noch einmal ganz in Ruhe zu beschäftigen.

Ich werde hier das Wichtigste aus dem Webinar zusammenfassen und selbst ein paar Anmerkungen dazu beitragen.

Buffett’s Anlagekriterien

Quantitative Kriterien

  • stabile Kapitalstruktur (hohe Eigenkapitalquote, geringe Verschuldung)
  • Unterbewertung (KGV, KBV, Graham-Number usw. – im Branchenvergleich betrachten
  • attraktive Renditeaussichten (Dividendenrendite/-politik, Profitabilität)
  • Cashflow und Gewinn (Verwendung, Generierung, Konstanz)

Qualitative Kriterien

  • Geschäftsmodell (verständlich, Marken, täglicher Bedarf)
  • Branchenpotenzial (mit Zukunftschancen)
  • Wettbewerbsvorteile in der Branche (Marktführer, tiefer Burggraben = Schutz vor neuen Konkurrenten)
  • Qualität des Managements

Meine Anmerkungen

Quantitative Kriterien

Die sind messbar. Dazu gibt es meist Formeln.

Kapitalstruktur

Eigenkapitalquote = Eigenkapital : Bilanzsumme
Über 50% sind hoch. Das hängt jedoch von der Branche ab. Jede Branche hat ihre üblichen Eigenkapitalquoten.
Je höher die Eigenkapitalquote ist, umso niedriger ist die Verschuldung.
Eigenkapitalquote + Fremdkapitalquote = 100%

Bewertungskennzahlen (Unterbewertung)

KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis = Aktienkurs : Gewinn je Aktie
KBV = Kurs-Buchwert-Verhältnis = Aktienkurs : Buchwert je Aktie
KUV = Kurs-Umsatz-Verhältnis = Aktienkurs : Umsatz je Aktie
KCV = Kurs-Cashflow-Verhältnis = Aktienkurs : operativer Cashflow je Aktie

Andere Berechnungsmöglichkeiten:
KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis = Marktkapitalisierung : Gewinn
KBV = Kurs-Buchwert-Verhältnis = Marktkapitalisierung : Eigenkapital
KUV = Kurs-Umsatz-Verhältnis = Marktkapitalisierung : Umsatz
KCV = Kurs-Cashflow-Verhältnis = Marktkapitalisierung : operativer Cashflow

Als niedrig gelten allgemein:
KGV unter 15 ist OK, unter 10 ist billig, KCV unter 15, besser unter 5, KBV, KUV: unter 3 ist in Ordung, unter 1 ist billig. Ein KBV unter 1 sagt aus, dass man weniger als den Buchwert bezahlen muss, um sich in das Unternehmen einzukaufen.
Das sind aber nur ganz grobe Richtlinien, je nach Branche ist das unterschiedlich. Außerdem spielt noch eine Rolle, ob es sich um Wachstumsunternehmen handelt usw.

Graham-Number = √(22,5 × Gewinn pro Aktie × Buchwert pro Aktie)

Das ist laut Benjamin Graham (Buffett’s Lehrer) der Maximalpreis für eine Aktie. Liegt der Kurs darunter, ist die Aktie unterbewertet.

Die Formel geht darauf zurück, dass Graham empfohlen hat (s. „The Intelligent Investor“ von B. Graham), Aktien als unterbewertet anzusehen, wenn das Produkt aus Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 22,5 liegt. Also

KGV × KBV < 22,5

Rendite

Dividendenrendite = Dividendenbetrag : Kaufpreis

Mit Dividendenpolitik ist gemeint: Ein Unternehmen sollte einen Teil des Gewinns als Dividende ausschütten, ansonsten investieren, um zu wachsen. Ausschüttungsquoten von 50% sind z.B. sehr gut. Darauf achten besonders Dividendeninvestoren.

Profitabilität wird mit entsprechenden Kennzahlen gemessen:
ROE = return on equity = Eigenkapitalrendite (oder -rentabilität)
ROA = return on assets (oft auch ROC = return on capital) = Gesamtkapitalrendite
Diese werden in Prozent angegeben, berechnen sich durch
ROE = Gewinn : Eigenkapital
bzw.
ROA = Gewinn : Bilanzsumme

Cashflow und Gewinn

Hier sollte man langfristige Betrachtungen über Jahre anstellen (Gewinn, Eigenkapital, Umsatz, Cashflow) und darauf achten, dass das positiv verläuft bzw. wächst.

Qualitative Kriterien

Hier muss man eigene Überlegungen anstellen, gesunden Menschenverstand gebrauchen. Wenn man etwas nicht versteht, sollte man auch nicht darin investieren.

Die nächste Betrachtung im Webinar sind

Buffet’s Grundsätze

  • Ich kaufe ein Unternehmen, und nicht die Aktie.
  • Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.
  • Die meisten Leute interessieren sich für Aktien, wenn alle anderen es tun. Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.
  • Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen.
  • Ich liebe Unternehmen, die kurzfristig in Schwierigkeiten stecken, langfristig aber eine Daseinsberechtigung aufweisen.
  • Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarktes, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich glücklich macht.

Danach kommen ein paar Beispiele für drei Kategorien

  • Die Stabilen
  • Die Schnäppchen
  • Die Burgen

Mit „Stabilen“ sind solche Unternehmen gemeint, die seit vielen Jahren am Markt sind, immer weiter kontinuierlich wachsen, sehr seriös sind, gute Dividendenausschüttungen anbieten, sich also für Langfristinvestments hervorragend eignen.

„Schnäppchen“ bezeichnen Unternehmen, die unter ihrem Wert notieren. Meistens sind es solche Firmen, die momentan in Schwierigkeiten stecken. Vielleicht sind die Gewinne zwischenzeitlich gesunken. Niemand will die Aktien haben. Deshalb sind sie günstig.

„Burgen“ haben einen so großen Wettbewerbsvorteil, dass es anderen Unternehmen schwer fallen sollte, auf dem gleichen Gebiet genauso erfolgreich zu sein.

Beispielbetrachtungen

  • Wacker Neuson
  • National Oilwell Varco
  • Südzucker

In den Beispielbetrachungen wurden noch folgende Größen untersucht bzw. erwähnt:

  • KGV-Wachstums-Verhältnis (PEG)
  • Financial Leverage
  • EBITDA

Anmerkungen

KGV-Wachstums-Verhältnis = PEG
Berechnet sich
PEG = KGV : erwartete Gewinnsteigerung in Prozent
Kleiner als 1 weist auf Unterbewertung hin.

Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA wurde hier als „Financial Leverage“ bezeichnet.
Es ist besser mit „net debt to EBITDA ratio“ bezeichnet, also:
net debt to EBITDA ratio = Nettoverschuldung : EBITDA
Es gibt an, wie viel Jahre das Unternehmen brauchen würde, um die Nettoverschuldung begleichen zu können, vorausgesetzt Nettoverschuldung und EBITDA bleiben derweil konstant. Dieser Wert sollte 3 nicht überschreiten. In einem der betrachteten Beispiele tritt ein negativer Wert auf. Das deutet darauf hin, dass mehr Cash als Schulden vorhanden sind. In dem Fall könnten sofort alle Schulden bezahlt werden.
Financial Leverage ist etwas anderes, nämlich grob ausgedrückt das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital.

Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) eignet sich für die Betrachtung am besten, wenn man Unternehmen einer Branche aus verschiedenen Ländern vergleichen will, da Steuern usw. von Land zu Land verschieden geregelt sind.

Safety-Margin zur Benjamin-Braham-Number in % dargestellt. Das bedeutet, wie viel Prozent der Graham-Number macht der aktuelle Aktienkurs aus, also bei wie viel Prozent des mit der Graham-Number berechneten berechtigten Maximalpreises liegt der aktuelle Kurs. Eine niedrige Prozentzahl weist auf Unterbewertung hin. Die Formel zur Berechnung der Graham-Number steht etwas weiter oben.

Mein Fazit

Ein wirklich empfehlenswertes Video. Die Berechnungen sollte man aber auf jeden Fall selbst anstellen. Vor allen Dingen keine Angst vor Fachbegriffen! Für viele Dinge gibt es Formeln, bei anderen Sachverhalten hilft der gesunde Menschenverstand.

Titelbild: Rainer Sturm / pixelio.de

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