Crowdfunding als Investment

Crowdfunding ist inzwischen so richtig „in Mode gekommen“. Im Wesentlichen lassen sich hier zwei Ideen unterscheiden. Die eine ist mehr oder weniger spendenbasiert. Man gibt jemandem für sein Projekt etwas Geld. Möglicherweise bekommt man dafür auch ein nettes Dankeschön, z.B. einmal das Produkt, das damit finanziert werden soll, o.ä. Die andere Variante besteht aus einem Darlehen. Man borgt meistens einer kleinen Firma, oftmals Startup, Geld für eine bestimmte (Mindest-)Laufzeit und erhält dafür Zinsen bzw. am Ende sein Geld zurück, sofern das Unternehmen nicht pleite geht. Über diese Form des Crowdfunding möchte ich heute schreiben.

Es ist riskant

Es werden hier meist Zinssätze von 6 bis über 10 Prozent avisiert. Meistens gibt es eine Mindestanlagesumme. Das können bereits schon 100 EUR sein, bei manchen Projekten beginnt das aber auch erst ab 1000 EUR. Es handelt sich dabei meistens um Nachrangdarlehen. Oftmals werden vierteljährliche, manchmal auch nur jährliche Zahlungen versprochen. Sowie das Unternehmen jedoch in eine finanzielle Schieflage kommt, werden diese Zahlungen als erstes ausgesetzt. Deshalb sollte man, wenn überhaupt, hier nur sogenanntes „Mad Money“ investieren, dessen Totalverlust man verkraften kann.

Meine eigenen Erfahrungen als Investor in Crowdfunding-Projekte

Ich selbst bin bisher an drei derartigen Projekten beteiligt, jeweils mit einer kleinen Summe. Eingestiegen bin ich in das erste davon vor einem knappen Dreivierteljahr, etwas später in die anderen beiden. Deshalb kann ich noch nicht genau sagen, wie erfolgreich das ausgehen wird. Mein aktueller Stand ist:
Einer der Darlehensnehmer zahlt bisher zuverlässig die vierteljährlichen Zinsen. Beim zweiten sind jährliche Zinsen vereinbart. Da hier noch keine Zahlung fällig war, kann ich noch keine weitere Aussage treffen. Der dritte Anbieter, ebenfalls mit vierteljährlichen Zahlungen, hat einmal planmäßig überwiesen. Die nächste Zahlung blieb aus. Erst auf meine Nachfrage hin, erhielt ich die Antwort, dass (hoffentlich nur vorübergehend) ein Insolvenzverwalter eingesetzt worden sei und man momentan noch nicht zahlen könne. Große Investoren seien im letzten Moment abgesprungen usw.

Die Risiken besser einschätzen

Ich will bei meinem Schieflage-Projekt zwar noch nicht den Teufel an die Wand malen, denn die Idee finde ich nach wie vor super. Natürlich hoffe ich, dass sie es doch noch schaffen, und das nicht nur wegen meines Investments. Trotzdem frage ich mich natürlich, ob ich die jetzige Situation nicht hätte vorhersehen können bzw. worauf ich bei solchen Angeboten vorab besser achten muss. Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: die Finanzen bzw. Finanzplanung, bisherige Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Prognosen. Bei der Betrachtung all dieser Zahlen lautet die zentrale Frage:

Wird der Darlehensnehmer in der Lage sein, die vereinbarten Zinsen zu zahlen?

Hilfsfragen dazu sind:

  • Erwirtschaftet der Darlehensnehmer bereits Gewinn? Ist es plausibel, dass dieser durch Einsatz des geliehenen Geldes erhöht (gehebelt) werden kann? Dann ist das ein gutes Zeichen.
  • Sofern noch kein Gewinn erwirtschaftet wurde: Kann durch den Einsatz des geliehenen Geldes in relativ kurzer Zeit ein positiver Cashflow erreicht werden, um die Zinsen zahlen zu können, bzw. mittelfristig Gewinne zu erzielen? Sofern das realistisch ist, ist das auch schon ein gutes Zeichen.
  • Entsteht der Eindruck, dass das neue geliehene Geld zunächst dazu verwendet wird, Zinsen für andere Darlehen zu zahlen? Werden also nur neue Löcher aufgerissen, um alte zu stopfen? Ist das Unternehmen auf Großinvestoren angewiesen, um die Zinsen für die Crowdfunding-Darlehen zahlen zu können? Das wäre sehr schlecht. Sofern hier auch nur ein Verdacht besteht, sollte man lieber die Finger davon lassen.
  • Warum wählt der Unternehmer überhaupt die Form des Crowdfunding? Ist es für ihn nicht möglich, bei einem Kreditinstitut ein günstigeres Darlehen zu erhalten?

Zur Beantwortung dieser Fragen gibt es leider keine allgemeinen Formeln. Da hilft vor allem der gesunde Menschenverstand. Auf jeden Fall sollte man das Projekt verstehen, das da finanziert werden soll. Weiterhin sollte man Fragen, insbesondere zu den Finanzen, an den Unternehmer stellen. Natürlich gilt das auch für fachliche Fragen zum Geschäft. Danach nichts überstürzen, sondern erst die Antworten bzw. deren Glaubwürdigkeit durch den Kopf gehen lassen.

Vor Verlusten ist man trotzdem nicht sicher. Bei solchen Geldanlagen bleibt nach wie vor ein hohes Risiko. Aber vielleicht wird man die eine oder andere Entscheidung noch einmal überdenken. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich in dieser Hinsicht bei meinen Crowdfunding-Engagements etwas nachlässig war. Habe nur darauf geachtet, dass mir die Geschäftsidee gefällt. Ich habe mir die Exposés im Hinblick auf die oben aufgeführten Fragen zu den drei betreffenden Unternehmen nun noch einmal angesehen und hätte wahrscheinlich in das mit der „momentanen Schieflage“ nichts investiert, wenn ich vorher darauf geachtet hätte. Aus Fehlern lernt man.

Fazit: Auch beim Einsatz von „Mad Money“ sollte man genauso gründlich vorgehen, als tätige man ein großes Aktieninvestment.

Nachtrag: Als weitere Form des Crowdfunding möchte ich der Vollständigkeit halber noch das sog. Equity-Based-Crowdfunding erwähnen. Hier kauft man Anteile am Projekt (Unternehmen) des Initiators und wird evtl. am Gewinn beteiligt.

Titelbild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

4 Gedanken zu “Crowdfunding als Investment

  1. Hund-Katze-Haus 14. Februar 2015 / 3:42

    Ich bin gespannt, wie es hier weitergeht. Ich habe auch erstmals im Dezember einen Minibeitrag investiert um mir das Ganze erstmal anzusehen.
    Meine Erfahrungen dazu dauern also noch etwas

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  2. egghead 14. Februar 2015 / 21:16

    Risiken sind extrem hoch und nicht beurteilbar, ich bin mit mehreren C-Investements auf die Schnautze gefallen.
    Die Crowdleute bekommen bei den Banken kein Kredit, deshalb handelt es sich durchweg um interessante aber hochriskante Anlagen. 80% gehen Pleite, schade.
    Mache ich nie wieder. Die Überlebenden können meine Verluste nicht wettmachen und Idealismus ist bei Geldanlage fehl am Platz. Was mir gefällt und einleuchtet muss auf dem Markt nicht unbedingt eine Chance haben. Daher : Gefühle beiseite lassen, auch wenn sich die Idee noch so nett anhört. Es sei denn man sieht das Ganze als Spende an 😉

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