Trading mit binären Optionen – der schnelle Weg zum Reichtum?

Ein paar Jahre gibt es diese Möglichkeit wohl schon, aber ich als konservativer Value-Investor habe mich bisher um so etwas nicht gekümmert und erst vor kurzem mehrfach davon gehört bzw. gelesen. Das soll ja momentan so ein boomender Markt sein. Also habe ich mich mal darüber informiert.

So funktionieren sie: Eine binäre Option ist … ja was eigentlich? Wertpapier wäre wohl die falsche Bezeichnung. Also sie bezieht sich auf einen Basiswert. Das kann alles Mögliche sein, z.B. eine Aktie, ein Rohstoff oder ein Devisenkurs. Beim Kauf einer binären Option wählt man zwischnn zwei Möglichkeiten, daher das „binär“, das sind: steigender Kurs oder fallender Kurs. Man nennt das auch Call oder Put. Weiterhin hat sie einen Ablaufzeitpunkt. Dieser liegt meistens in sehr naher Zukunft, z.B. in ein paar Minuten. Beim Kauf einer solchen Option hat sie einen Einstiegskurs. Das ist der aktuelle Kurs des Basiswertes. Die Rendite ist dann ebenfalls vorgegeben, meist so um die 75%. Neben der Richtung, also Call oder Put entscheidet man natürlich noch über den Einsatz, d.h. die Summe, die man investieren möchte. Wenn der Kurs zum Ablaufzeitpunkt die richtige Richtung eingeschlagen hat, egal um wie viel er gestiegen bzw. gefallen ist, ist die Option „im Geld“ und man bekommt seinen Einsatz plus Rendite zurück. Wenn man falsch liegt, verliert man seinen Einsatz.

Jetzt weiß ich, wie ich das nennen möchte: Das ist einfach nur eine Wette, und zwar eine mit einem überaus schlechten Ausschüttungsanteil von nur um die 75%. Selbst der mieseste Online-Buchmacher für Sportwetten bietet bessere Quoten.

Habe mir bei einem großen Anbieter für binäre Optionen angeschaut, wie er das seinen Kunden schmackhaft machen will. Davon kann man nur lernen! Zunächst einmal wird dort netterweise unter einem Menüpunkt „Bildungszentrum“ ein kostenloses eBook zum Download angeboten. Das habe ich mir angesehen. Ich würde es jedoch eher Werbebroschüre im PDF-Format nennen. Ich zitiere mal aus der Einleitung:

Die Einfachheit und Offenheit des binäre Optionen Handels bietet erhebliche Vorteile gegenüber anderen Arten des Handels.

Na klar, einfache Sache für euch, und so schön kalkulierbar, viel besser als ein paar mickrige Provisionen. Eine weitere schöne Textstelle ist:

Binäre Optionen Händler müssen nicht, wie andere Händler, ihre ganze Zeit und Aufmerksamkeit auf die Verfolgung von Spreads, Leverage, Einlagemargen, Stop-Loss-Strategien, versteckte Transaktionsgebühren und Zinsdifferenzen verwenden. Binäre Optionen, geben Händlern das Potential zurück, sich allein auf eine korrekte Vorhersage zu konzentrieren und den Vorteil auszuschöpfen, damit Geld zu verdienen.

Dann wird das Ganze, was ich anfangs zusammengefasst dargestellt habe, noch ausführlich erklärt und natürlich gelobt. Es wird auch beschrieben, dass man sich Fundamentalanalyse und technische Analyse dafür zu Nutze machen kann. Das ganze wirkt auf den ersten Blick ziemlich professionell und hilfreich. Jedoch frage ich mich: Wie soll das gehen, eine Analyse, welcher Art auch immer, um einzuschätzen, wohin sich so ein Kurs innerhalb der nächsten fünf Minuten bewegt? Das ist in meinen Augen einfach nur wildes Zocken.

Mag ja sein, dass es Trader gibt, die damit erfolgreich sind, zumindest über einen gewissen Zeitraum. Ich gönne es wirklich jedem von Herzen. Aber eins ist für mich klar, die Beantwortung meiner Frage aus der Überschrift:

Ja, es ist der schnelle Weg zum Reichtum, aber nicht für den Trader, sondern für die Bank.

Da bleibe ich doch lieber beim Value Investing, also über Aktien Anteile an wertvollen Unternehmen zu kaufen und am Gewinn über Dividenden beteiligt zu werden, oder mittelfristige Investitionen in unterbewertete Aktien.

Titelbild zum Artikel: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

6 Gedanken zu “Trading mit binären Optionen – der schnelle Weg zum Reichtum?

  1. egghead 3. Februar 2015 / 14:26

    Binäres Systeme komtm mir wie Roullette vor, ich mache damit nix. Ich bekomme ständig auch spam mails, mit binary robot etc. Im Endeffekt ist das wohl Martingale durhc Verdoppelung der Positionen. Wahnsinn.

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    • Petra-Wolff 3. Februar 2015 / 20:14

      Binäre Optionen sind vom Chancen-Risiko-Verhältnis sogar noch ungünstiger als Roulette.

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  2. denke-handele-werdereich 4. Februar 2015 / 11:34

    Hallo Petra!
    Erst einmal vielen Dank für deinen Beitrag. Nun weiß ich wenigstens, was ich da gerade aus meinem Postfach in „gelöschte Objekte“ weggeklickt habe.
    Also im Roulette hast du bei Rot/Schwarz nur eine Chance von 47,3%. Das entspricht wohl in etwa der Wette auf die Richtung des Kurses.
    Der Ausschüttungsanteil beträgt aber 100%. Für den Eintritt ins Casino musst du noch 2 Euro berappen. Dafür bekommt man aber einen prima Kaffee als Freigetränk spendiert.
    Lotto ist noch schlechter als binäre Optionen. Da beträgt der Ausschüttungsanteil nur 50%.
    Der Malachit.

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  3. JustDoIt2 6. Februar 2015 / 6:29

    „Binäre Option“. So ein Quatsch. Da wird ein Glückspiel verkauft und die Leute meinen wahrscheinlich auch noch, es sei eine Art Geldanlage/Spekulation. Schließlich hat es ja mit Markt-/Börsenwerten zu tun. Und wer meint, das Glückspiel beeinflussen oder überlisten zu können, sollte sich erst einmal an einem Hütchenspieler versuchen.

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  4. Der-Privatier 8. Februar 2015 / 6:19

    Ich kann mich nur anschließen: Binäre Optionen sind eher in die Kategorie „Glückspiel“ einzuordnen. Kann machen, wer will – ich nicht.

    Ich möchte aber noch etwas wichtiges ergänzen:
    Man sollte nämlich nun nicht im Umkehrschluss alles, was mit Optionen zu tun hat, genau so be- oder verurteilen!

    Es gibt mit „normalen“ Optionen sehr viele Strategien. Einige davon sind hochspekulativ, andere sind aber durchaus geeignet, ein regelmäßiges, zusätzliches Einkommen zu generieren, z.B. die „Covered Call Strategie“.

    Man benötigt ein wenig mathematisches, analytisches Denken, um das Prinzip zu verstehen und umzusetzen. Aber gerade darum würde ich es Dir, Petra einmal ans Herz legen. Schau dir das mal an!

    Als Einstieg ganz gut geeignet halte ich die Beiträge von Rico von „Erfolgreich Sparen“, wie diesen hier z.B.:
    http://www.erfolgreich-sparen.com/2014/05/wie-man-regelmaessiges-einkommen-aus-beliebigen-aktien-generiert/

    Viel Erfolg,
    Der Privatier

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    • Petra-Wolff 9. Februar 2015 / 21:38

      Danke für den Tipp. Habe schon über Covered Call Strategie gelesen, mich aber noch nicht eingehend damit beschäftigt. Klar ist mir aber, dass es dabei auch passieren kann, dass man die Aktie los wird, obwohl man sie gar nicht loswerden will, wenn sie nach oben ausbricht. Das wäre dann schon irgendwie schade. Zumal man sie dann auch meistens noch unter dem aktuellen Kurs abgeben müsste.

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