Energie!

Die Energieversorger gehören nicht gerade zu den attraktivsten Aktien der letzten Jahre. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die Kursverläufe anschaut. Und dann noch vor etwa zwei Wochen die Meldung: Der hochverschuldete Eon-Konzern lagert Atomkraft-, Wärmekraft- und Gasgeschäft aus und konzentriert sich auf erneuerbare Energien.

Ich nehme den dramatisch klingenden Ausdruck „hochverschuldet“ aus der Meldung als Aufhänger her. Ist das wirklich so eine schlimme Situation, wie uns die Meldung glauben machen will? Die Antwort gleich vorweg: Nein! Schauen wir uns die Fakten an:

Eon hat laut dem letzten Geschäftsjahresabschluss bei einer Bilanzsumme von 132.330 Mio. Euro Eigenkapital in Höhe von etwa 36.638 Mio. Euro. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 27,7%. Betrachtet man stattdessen die Zahlen des letzten Zwischenberichtes, also nach 9 Monaten des aktuellen Geschäftsjahres, kommt in etwa das gleiche Ergebnis heraus. Für einen Energieversorger bewegt sich das in einem völlig normalen Rahmen. Eine Eigenkapitalquote von rund einem Drittel würde man in dieser Branche schon als verhältnismäßig hoch ansehen. Deswegen ist die Aussage „hochverschuldet“ in absoluten Zahlen zwar wahr, aber nicht als dramatisch anzusehen. Denn hier wird eben OPM (other people’s money) genutzt.

Ich möchte noch einige andere Branchenriesen in meine Betrachtungen einbeziehen. So beginne ich jeweils mit der Betrachtung der Eigenkapitalquote. Je höher die Eigenkapitalquote ist, umso geringer ist die Verschuldung.

Unternehmen Eigenkapitalquote
EDF (Frankreich) 13,3%
ENEL (Italien) 21,9%
RWE (Deutschland) 15,0%
American Electric (USA) 28,5%
Eon (Deutschland) 27,7%

Also steht Eon in dieser Beziehung gar nicht schlecht dar. Überhaupt sorgte die Meldung kurzfristig für Auftrieb im Kurs der Aktie. Allerdings sollte man das auch nicht überbewerten. Es wird schließlich nicht von heute auf morgen alles umgestoßen. Die Auslagerung ist erst für 2016 geplant.

Ich selbst habe Eon seit Oktober 2010 im Depot. Die ersten Stücke habe ich also relativ kurz vor dem Fukushima-Crash gekauft, also zum ungünstigsten Zeitpunkt, den man sich denken kann. Der Kursverlauf zeigte seitdem fast nur nach unten, und zwar seit meinem ersten Kauf so:

E.On-Chart
Das Bild stammt aus meinem Onvista-Musterdepot.

Da meine immer wieder durchgeführte Analyse dafür sprach, habe ich aber nach und nach weitere Stücke hinzugekauft. Zwischenzeitlich war ich mit der gesamten Position bereits im Plus. Außerdem ergab das in der ganzen Zeit immer eine schöne Dividendenrendite bezogen auf meine Kaufkosten, was mir noch wichtiger ist als ein Kursplus.

Hier liste ich mal meine Kaufzeitpunkte mit den dazugehörigen Analyse-Ergebnissen auf:

Eon KGV3 KGVA KBV KUV KCV DivR
11.10.2010 7,3 5,1 1,0 0,5 4,5 7,0%
04.12.2012 6,6 0,7 0,2 4,0 7,2%
29.10.2013 4,4 10,9 0,7 0,2 3,0 8,1%
02.05.2014 11,8 34,9 0,8 0,2 4,0 4,5%

Zur Erläuterung:

KGV3 ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das ich auf der Grundlage der Gewinne der letzten drei Geschäftsjahre berechne, also:
KGV3 = aktueller Aktienkurs : durchschnittlicher Gewinn pro Aktie der letzten 3 Geschäftsjahre

KGVA ist das aktuelle KGV, das ich auf der Grundlage des Gewinns der letzten 4 Quartale berechne, also:
KGVA = aktueller Aktienkurs : Summe aus Gewinn pro Aktie der letzten 4 Quartale

KBV = Kurs-Buchwert-Verhältnis, KUV = Kurs-Umsatz-Verhältnis bzw. KCV = Kurs-Cashflow-Verhältnis. Diese berechne ich unter Benutzung der entsprechenden Angabe aus dem jeweils letzten Geschäftsjahr.

Die Dividendenrendite DivR berechne ich als Quotient aus der letzten Dividende und dem aktuellen Kurs.

Zwischenzeitlich hatte ich auch ENEL und RWE im Depot. Bei beiden Papieren hatte ich es mit dem Zukaufen ähnlich gehandhabt wie mit Eon. Allerdings habe ich diese beiden inzwischen verkauft, weil ich den Energieanteil in meinem Depot etwas reduzieren wollte. Außerdem hatte ich andere Kaufideen. Die Verkaufszeitpunkte waren jeweils gerade günstig.

ENEL: gekauft am 14.09.2010 und am 04.12.2012, verkauft am 15.04.2014 mit einem kleinen Plus. Während der Haltedauer eine Netto-Dividendenrendite (also nach Abzug von Steuern) von etwas unter 3 bis über 4 Prozent erzielt.

RWE gekauft am 28.03.2011, 04.12.2012 und am 29.10.2013, verkauft am 07.07.2014 mit einem kleinen Plus. Auch hier während der Haltedauer Dividenden kassiert. Dabei bewegte sich die Netto-Dividendenrendite von über 4 bis 7 Prozent. Ausnahme war das letzte Jahr meiner Haltedauer mit nur etwas über 2 Prozent.

Die Eon-Aktien werde ich weiter halten. Die Aktie ist nach wie vor günstig bewertet, auch wenn nicht in allen Punkten optimal. Dividenden wird es weiterhin geben. Mit steigendem Gewinn werden diese auch wieder angehoben werden. Die Umsätze sind auch in den letzten schwachen Jahren weiter gestiegen, der Cashflow sieht gesund aus.

Fazit: Zunächst bleibt Eon so ein „langweiliges“ Investment, genau wie ich es mag.

Und gleich die Antwort auf eine eventuelle Frage vorweg: Nein, ich gebe keine konkreten Zahlen an, wie viele Stücke ich zu den benannten Zeitpunkten jeweils gekauft habe usw.

Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

5 Gedanken zu “Energie!

  1. Lad 16. Dezember 2014 / 14:36

    Von deinen Energieversorger würde ich keine Aktien kaufen. Ich habe jedoch und bin zufrieden mit den Aktien Iberdrola SA. Diese Aktien will ich für immer halten. „Die Aktien-Analyse“ hat heuer unter der. Nr. 7610 zum erstenmal die Entwicklung von Umsatz, Gewinn, Buchwert, Cashflow und Dividende von 2004 bis 2014 veröfentlicht. Sehr schön. Umsatz +13.6% jährlich. Gewinn +5.9%. Cashflow +7.3% jährlich. Und Dividende von 0.14 auf 0.27 Euro gestiegen. Eigenkapital 38%.

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  2. Petra-Wolff 16. Dezember 2014 / 22:01

    Hallo Lad,
    momentan kaufe ich auch nicht nach, aber bisher ist es recht gut gelaufen. Aber wir müssen ja nixht alle das gleiche kaufen, wäre ja langweilig 😉
    Iberdrola sieht für mich auf den ersten Blick zwar recht gut aus, habe jedoch nur flüchtig einen Blick darauf geworfen. Was ich allerdings bei spanischen Aktien nicht so mag, ist die Besteuerung der Dividenden. Die spanische Steuer wird abgezogen und vom Rest noch unsere Steuer. Da wird nichts angerechnet. Unterm Strich bleiben nur etwas über 50% übrig. Theoretisch könnte man sich zwar etwas von den spanischen Behörden zurückholen, das würde allerdings zu hohen bürokratischen und wahrscheinlich auch finanziellen Aufwand bedeuten, der erst ab einer bestimmten Positionsgröße lohnen würde.
    Trotzdem, wenn Du damit zufrieden bist, ist alles OK. Alles Gute damit weiterhin!

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  3. Alex von Reich-mit-Plan 23. Dezember 2014 / 19:53

    EON und RWE würde ich im Moment überhaupt nicht anfassen. Da weiß keiner wo das hingehen soll mit denen. EDF aus Frankreich wäre was, denn für 2015 soll der französische Markt outperformen.
    Ansonsten würde ich mich jetzt lieber auf die Öl-Werte konzentrieren, denn die gibt es aktuell mit sehr guten Dividendenrenditen.
    Wenn nicht jetzt, wann soll man solche Aktien kaufen? Wenn der Öl-Preis wieder bei 100$ steht?

    Gru und schönes Fest.
    Alex

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    • Petra-Wolff 28. Dezember 2014 / 23:56

      Hallo Alex,
      wo es mit irgendwelchen Aktien „hingehen soll“, wie Du es ausdrückst, weiß niemand mit 100%iger Gewissheit 😉
      EDF, weil der „französiche Markt 2015 outperformen soll“ … , nun ja, warum auch immer, zugegeben EDF ist nicht ganz übel, das ist wahr.
      Mit den Öl-Werten hast Du Recht, nicht nur die Dividendenrenditen sind da in Ordnung, auch andere Kriterien stimmen für mich. Habe gerade einen neuen Artikel dazu veröffentlicht als Ergebnis einer etwas ausführlicheren Beschäftigung mit dem Thema.
      Hoffe, Du hattest auch ein schönes Fest.
      Viele Grüße
      Petra

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