Südzucker – Update nach den Halbjahreszahlen

Vor drei Wochen hatte ich unter dem Titel „Südzucker – Lohnt sich jetzt ein Kauf/Nachkauf?“ hier eine kleine Analyse veröffentlicht. Bei der Beantwortung meiner Frage nach Kauf bzw. Nachkauf tendierte ich zwar zu einem Ja, wollte jedoch noch die Halbjahreszahlen abwarten.

Diese sind inzwischen veröffentlicht und lösten einen weiteren Kursrutsch aus. Natürlich bin ich froh, dass ich vor drei Wochen nicht gekauft habe. Allgemein ist die Stimmung, was diese Aktie angeht, denkbar schlecht. Hier ein Beispiel: Beitrag der n-tv-Telebörse „Anleger fliehen aus Südzucker„. Die letzten Sätze lauten:

Es gebe „keinen wirklichen Grund, die Aktien zu kaufen“, sagte ein anderer Händler. „Daher würde ich jeden Kursanstieg sofort zum Verkauf nutzen.“ Ein weiterer Marktteilnehmer meinte: „Wir sehen nach wie vor keinen Grund, die Aktie zu kaufen und empfehlen daher in die Stärke hinein zu verkaufen.“

Weiterhin stufen die meisten Analysten die Aktie auf „Verkaufen“ ein, Optimisten sind Ausnahmen. Als Value-Investor weiß ich, dass dem in der Regel nicht allzu viel Bedeutung beizumessen ist. Die „zittrigen Hände“ lassen gute Aktien oftmals übermäßig abstürzen. (Frei nach Kostolany.) Nun stellt sich die Frage: Haben wir eine Situation der zittrigen Hände? Ist es ratsam, beim aktuellen Kurs die Hände aufzuhalten, oder geht es noch viel tiefer?

AKTUELLE BEWERTUNG

Umsatz und operatives Ergebnis sind rückläufig, Gewinn pro Aktie ist weiter drastisch gesunken.

Ich berechne zunächst einmal das aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), basierend auf dem Gewinn der letzten vier Quartale.

Der Gewinn pro Aktie im ersten Halbjahr 2014/15 beträgt 0,37 EUR, im ersten Halbjahr des vorigen Geschäftsjahres 2013/14 waren es noch 1,21 EUR. Das Ergebnis des gesamten vorigen Geschäftsjahres 2013/14 war 1,38 EUR pro Aktie. Daraus berechne ich nun zunächst den Gewinn pro Aktie der letzten vier Quartale. Ich stelle das mal übersichtlich dar:

1. Halbj. 2014/15 (a) 1. Halbj. 2013/14 (b) gesamt 2013/14 (c) 2. Halbjahr 2013/14
(d = c – b)
letzte 4 Quartale
(e = d + a)
0,37 EUR 1,21 EUR 1,38 EUR 0,17 EUR 0,54 EUR

Der Kurs ist jetzt bei 10,26 EUR. Damit ergibt sich ein aktuelles KGV von

10,26 : 0,54 = 19

Das ist nun doch ziemlich hoch. Bedenkt man, dass es außerdem sehr wahrscheinlich ist, dass auch das zweite Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres im Vergleich zum Vorjahr schlechter ausfallen wird, lässt das die Situation nicht besser aussehen.

Eine Betrachtung möchte ich zur aktuellen „Urteilsfindung“ noch anstellen:

VERGLEICH MIT DER VERGANGENHEIT

Sieht man sich den Kursverlauf über Jahre hinweg an, findet man den letzten vergleichbaren Absturz im Jahr 2008. Dieser endete im Oktober, und zwar direkt zur Zeit der Halbjahresergebnisse. Habe mir deshalb aus dem Archiv der Finanzpublikationen von Südzucker die entsprechenden Zahlen herausgesucht, stelle sie hier dar und berechne das zu der Zeit aktuelle KGV:

1. Halbj. 2008/09 (a) 1. Halbj. 2007/08 (b) gesamt 2007/08 (c) 2. Halbjahr 2007/08
(d = c – b)
letzte 4 Quartale
(e = d + a)
0,65 EUR 0,20 EUR 0,10 EUR -0,10 EUR 0,55 EUR

Kurs Oktober 2008: 7,42 EUR. Damit ergab sich damals ein aktuelles KGV von

7,42 : 0,55 = 13,5

Damals lag also eine recht günstige Bewertung vor. Hinzu kam noch, dass Umsatz und operatives Ergebnis im Vergleich zum ersten Halbjahr des vorigen Geschäftsjahres gesteigert wurden und die Prognosen gut aussahen.

FAZIT

Die momentane Situation ist eine andere als die Turnaround-Situation vom Oktober 2008. Meiner Meinung nach geht es noch weiter abwärts. Dass die Dividende dann ebenfalls weiter gesenkt werden wird, ist sehr wahrscheinlich. Nach diesen Ergebnissen kaufe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht nach. Ich verkaufe jedoch meine Position nicht. Sie wird irgendwann den Boden erreichen und sich dann erholen, denn es ist m. E. trotz allem ein solides Unternehmen. Mein Depot enthält einige andere Aktien, die leuchtend grün dastehen (Münchener Rück, Coca Cola, Total … ), und trotzdem noch recht günstig bewertet sind, so dass dieser „rote Fleck“ nicht zu sehr ins Gewicht fällt. Aber ich beobachte weiter.

WICHTIG
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung, sondern lediglich meine persönliche Einschätzung

10 Gedanken zu “Südzucker – Update nach den Halbjahreszahlen

  1. Alex von Reich-mit-Plan 11. Oktober 2014 / 12:02

    Ich finde deine Analyse super plausibel und nachvollziehbar. Daher wundert mich dein Fazit, dass du die Aktie trotzdem behalten willst. Es spricht ja nun wirklich nichts dafür. Sagst du ja selber. Es wird weiter runter gehen und die Dividende wird gesenkt. Warum um Himmels willen die Aktie halten? Ist es die Verliebtheit in eine Aktie?
    Das klingt so, wie wenn du auf einer Brücke stehst und realisierst, dass wenn du springst du tot sein wirst – und trotzdem springst …

    Realisiere doch die Verluste und schliess das Kapitel ab. Vorteil des Ganzen: zukünftige Gewinne hast du dann bei anderen Aktien und Dividenden erstmal wieder steuerfrei aufgrund der Verlustrechnung. Du willst doch nicht wirklich freiwillig Steuern auf deine Dividenden zahlen nur weil du eine Verlustaktie lieber im Depot liegen lässt.

    Denn so wie es aussieht hat die Aktie weiteres Potential 50% zu verlieren. Kauf die doch bei 5-7 Euro wieder.

    PS: Mein Captcha lautet: abwarten und tee trinken.
    In diesem Fall macht das keinen Sinn.

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  2. Petra-Wolff 11. Oktober 2014 / 13:38

    Danke für Deinen Kommentar, der sicher gut gemeint ist, aber da legst Du mir Worte in den Mund, die ich nicht gesagt habe mit:

    Daher wundert mich dein Fazit, dass du die Aktie trotzdem behalten willst. Es spricht ja nun wirklich nichts dafür. Sagst du ja selber.

    Meiner Meinung nach spricht nichts für einen derzeitigen Nachkauf. Ich habe nicht behauptet, dass nichts dafür spricht, die Aktie zu behalten, im Gegenteil.

    Wie schon geschrieben, das ist nur meine Meinung. Du kannst gern eine andere Meinung dazu haben.

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    • Alex von Reich-mit-Plan 13. Oktober 2014 / 12:31

      Ja du hast ja Recht, ich hatte dein Fazit zusammengefasst so verstanden. Daher hat mich deine Entscheidung etwas verwundert. Jeder ist seines Glückes Schmied. Daher ist es auch vollkommen in Ordnung wenn du so verfahren willst. Ich wollte nur aufzeigen, welche Vorteile ein Verkauf mitunter haben könnte im Vergleich zur Halten-Strategie.
      Gruß
      Alex

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  3. denke-handele-werdereich 12. Oktober 2014 / 10:26

    Hallo Petra!
    Super Lob für deine Rechnereien!
    Ich bin kein Aktienfan, verfolge aber immer den Markt. Durch deine Blogbeiträge zwingst du mich geradezu, deine Gedankengänge nachzuvollziehen.
    Die mit einfachen Worten erklärte und übersichtliche Darstellung des für mich komplizierten Börsenkauderwelsch ist sehr gut nachvollziehbar und deshalb interessant. Was die Börse bringt wissen wir natürlich nicht und ob die von den Gurus ausgedachten KGV und anderen Indizien überhaupt etwas bringen oder nur kalter Kaffee sind, auch nicht. Mit den Weisheiten der Charttechniker scheint mir das eben so zu sein. „Wenn der Kurs die Marke von Y,xx Euro erreicht, dann … .“ Das ist einfach nur Unfug. – Aber wenn alle das glauben und danach handeln, dann gewinnt der Unfug die Qualität eine „objektiven Realität“ und somit kann er helfen, Geld zu machen.
    Der Glaube an das, was andere „Wissenschaftler, Experten usw.“ uns einreden wollen, ist wie eine Religion. Für das, was wir daraus für uns ableiten und unsere Handlungen sind wir allerdings selbst verantwortlich. Wir sind dazu verdammt Entscheidungen zu treffen und die treffen wir aufgrund unseres Wissens, das unvollständig ist, manipuliert und auch falsch sein kann.
    Der Malachit.

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    • Petra-Wolff 12. Oktober 2014 / 19:22

      Vielen Dank für das Lob. Ich gebe zu, ich schaue mir auch jeweils den Chart an, aber nicht um irgendwelche Fantasiegebilde darin zu entdecken, sondern einfach um einen Eindruck davon zu erhalten, was an Schwankungen bisher möglich war. Was mich aber mehr interessiert, sind die Fakten zu den Unternehmen. Ich sehe auch solche Kennzahlen wie KGV usw. nie als absolutes Maß, sondern eher als Orientierungsmöglichkeit an. Ich richte mich bei meinen Entscheidungen vor allen nach Grundsätzen von Warren Buffett bzw. seinem Lehrer Benjamin Graham. Momentan lese ich gerade sein Standardwerk „The Intelligent Investor“ im Original, ist wohl besser als die deutsche Übersetzung.

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    • Petra-Wolff 16. November 2014 / 22:49

      Meine Pläne: Abwarten und Tee trinken, aus der „Tasse mit Henkel“ 😉
      Nee, im Ernst: Ich warte auf die nächsten Quartalszahlen und entscheide dann.

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