So suche und finde ich günstige Value-Aktien

Heute geht’s ums „Futter“ für meine Finanzmaschine.

Dividende

Die Dividende spielt beim Value Investing eine wesentliche Rolle. Auf einigen Internetseiten bzw. in Blogs findet man oft die Empfehlung: Einfach Dividendenaktien kaufen und fertig. Vom Prinzip her ist der Ansatz richtig, jedoch ist es grob fahrlässig, NUR auf die Dividende zu achten.

Idealerweise macht die Dividende etwa 40 bis 50% des Reingewinns aus. So wird man als Aktionär angemessen am Erfolg des Unternehmens beteiligt, und das Unternehmen kann vom Rest des Überschusses weiter wachsen bzw. Gewinnrückstellungen bilden für Zeiten, in denen es mal nicht so gut läuft. Und solche Zeiten kommen garantiert irgendwann einmal, bei fast jedem Unternehmen.

Wenn ich also eine Aktie finde, deren Kauf zum aktuellen Kurs eine gute Dividendenrendite verspricht (3% oder mehr), überprüfe ich zunächst immer den soeben beschriebenen Sachverhalt für die letzten Jahre.

KGV

Was mir außerdem wichtig ist, ist in etwa eine Vorstellung zu bekommen, ob die Aktie gerade günstig oder teuer ist. Die wichtigste und bekannteste „Maßzahl“ dafür ist das KGV, was für Kurs-Gewinn-Verhältnis steht. Dieses sollte unter 15 liegen, besser unter 10. Für Wachstumsaktien (Technologie) darf es auch etwas höher sein, aber als Value-Investor suche ich lieber nach konservativen etablierten Unternehmen und kaufe selten Visionen.

Das KGV berechnet sich, wie der Name schon sagt:

KGV = Aktienkurs : Gewinn pro Aktie

Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn es einen positiven Gewinn gibt.

Ein KGVe, was für „erwartetes KGV“ steht, finde ich Quatsch, denn für den Quotienten aus einem erwarteten Aktienkurs und einem erwarteten Gewinn pro Aktie kann man nahezu alles herausbekommen. Ein wenig an einem der Werte gedreht, und schon hat man ein völlig anderes Ergebnis.

Also, immer echte Werte nehmen! Ich betrachte immer zwei Varianten des KGV:

In der Berechnung von Variante 1 verwende ich den Durchschnitt von Gewinn pro Aktie der letzten drei Jahre. Für Unternehmen, bei denen der Gewinn geschäftsabhängig stark schwanken kann, finde ich das ganz sinnvoll für einen langfristigen Eindruck. Ausreißern beim Gewinn, sowohl nach oben als auch nach unten, wird auf diese Art nicht so eine große Bedeutung zugemessen.

Das andere Extrem ist Variante 2. Dafür verwende ich anstelle von Gewinn pro Aktie aus dem letzten Jahresabschluss lieber Gewinn pro Aktie der letzten vier Quartale. Dadurch erhält man einen genaueren Eindruck für den Moment.

Allerdings sollte man das Ergebnis dieser Berechnungen als das werten, was es ist: Ein Eindruck, eine Richtlinie. Bitte nie als einziges und absolutes Entscheidungskriterium ansehen.

Weitere wichtige Kriterien

Für eine Entscheidung, ob die Aktie für ein Investment geeignet ist, sollten noch einige weitere Dinge stimmen: Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, hohe Eigenkapitalquote, langfristig steigender Gewinn, steigender Umsatz, steigender Buchwert, ein guter freier Cashflow, eine im Branchenvergleich gute Rentabilität und natürlich ein gewisses Grundverständnis vom Geschäftsfeld des Unternehmens…

Klingt nach einer Menge Arbeit, das alles zu überprüfen. Ja, es ist eine Menge Arbeit, aber eine, die sich lohnt.

Effektive Vorgehensweise bei der Analyse

1. Schritt: Filtern nach Dividendenrendite und KGV auf Finanzseiten im Internet, z.B. onVista.de oder finanzen.net.

2. Schritt: Schnell-Check durchführen. Die oben aufgeführten Dinge soweit wie möglich anhand der übersichtlich aufgeführten Daten auf solchen Finanzseiten überprüfen.

3. Schritt: Ausführliche Analyse. Die restlichen Daten anhand der Jahresabschlüsse für einen längeren Zeitraum (10 bis 15 Jahre) zusammentragen und analysieren.

Nach jeder Untersuchung innerhalb dieser Schritte bleiben immer weniger Kandidaten für weitere ausführlichere Untersuchungen übrig. So wird der Aufwand etwas reduziert. Wenn man dann noch alle Analysen, die man schon einmal angestellt hat, in übersichtlicher Form aufhebt, ist man gut beraten.

Wichtig zu wissen bzw. zu beachten

Daten können falsch oder ungenau sein. Deshalb niemals auf nur eine Datenquelle, also eine Finanzseite im Internet, verlassen!

Trotz noch so gründlicher Analyse kann niemand in die Zukunft sehen. Den idealen Einstiegszeitpunkt wird man in der Praxis niemals treffen.

Nicht alle Investments verlaufen wie geplant, trotz noch so genauer Analyse. Risikostreuung hilft.

Kaufe nur Dinge, die Du verstehst. Wenigstens eine Vorstellung vom Geschäft bzw. davon, dass das noch über Jahre weiter erfolgreich läuft und Verbesserungspotenzial hat, sollte man haben.

Titelbild zum Artikel: Karin Jung / pixelio.de

6 Gedanken zu “So suche und finde ich günstige Value-Aktien

  1. egghead 7. Mai 2014 / 9:06

    KGV schaue ich mir zugegeben seit Jahren nicht mehr an.
    Langfristchart, aktuelle Dividendenrendite und regelmäßige Dividendensteigerung und das Papier hüpft in mein Depot, auch wenn das KGV hoch ist. Das überlasse ich den Tradern.
    Schau mal auf http://www.dividata.com oder http://www.buyupside.com.

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    • Petra-Wolff 7. Mai 2014 / 19:26

      Hallo egghead,
      danke für die Links. Der erste ist interessant. Beim zweiten kommt nur eine leere Seite, auf der „pageok“ steht.
      Ich denke, dass Trader auch nicht unbedingt auf das KGV schauen. Mir ist neben der Dividende auch wichtig, dass die aus den Gewinnen bezahlt wird, und trotzdem noch genug übrig bleibt für weitere Investitionen.

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      • egghead 8. Mai 2014 / 6:41

        Ich habe es eben noch mal ausprobiert mit
        http://www.buyupside.com/
        Vielleicht war sie gestern kurz down ?!
        Die Seite ist Spitze und der Author uns Jahre voraus. Heatmaps, Dividendencharts etc.
        Wahnsinn.

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