Anleihen – Zeichnen oder an der Börse kaufen?

Viele Anleihen werden an der Börse gehandelt. Der Kurs wird dabei in Prozent angegeben. Betrachten wir zur Veranschaulichung gleich unser Beispiel aus dem vorigen Beitrag. (Das ist nur ein Beispiel und soll keine Empfehlung sein.)

Es ging dabei um eine Unternehmensanleihe der MBB Clean Energy AG mit:

ISIN / WKN: DE000A1TM7P0 / A1TM7P
Nennbetrag: EUR 1.000,00
Ausgabepreis: 100%
Rückzahlungspreis: 100%
Kupon: 6,25%
Zinszahlung: Jährlich nachträglich zum 06.05.
Erster Zinszahlungstag: 06.05.2014
Rückzahlungstag: 06.05.2019

Die Anleihe wurde am 06.05.2013 herausgegeben und seitdem an der Börse gehandelt. Anhand der ISIN bzw. WKN findet man das Papier. Heute, am 11.04.2014, notiert die Anleihe bei 91%.

Nehmen wir an, ich kaufe die Anleihe heute an der Börse zu einem Nominalbetrag (Nennwort) von EUR 1.000. Das heißt, ich kaufe jemandem einen „Schuldschein“ über EUR 1.000 ab, für den ich am Ende der Laufzeit, also am 06.05.2019, das geliehene Geld zurückerhalte. Ich bezahle dafür jetzt nur 91%, also EUR 910. Am Ende der Laufzeit bekomme ich, sofern der Schuldner nicht pleite ist, dafür die vollen EUR 1.000 zurück. Das bedeutet in dem Fall einen zusätzlichen Kursgewinn.

Dabei sind aber noch Transaktionskosten und Stückzinsen zu beachten. Die Höhe der Transaktionskosten richtet sich nach den Geschäftsbedingungen der Depotbank. Nehmen wir sie bei diesem geringen Volumen mit EUR 10 an. Das ist ein realistischer Betrag. Weiterhin zahle ich Stückzinsen, die der ehemalige Halter des Schuldscheins bekommt, denn er hatte dem Unternehmen sein Geld bereits für etwas mehr als 11 Monate geliehen. Für diese Zeit steht ihm ein entsprechender Teil der ersten Zinszahlung zu, die am 06.05.2014 fällig wird. Die Stückzinsen betragen heute 5,87%. Das sind etwas mehr als elf Zwölftel der Jahreszinsen von 6,25%. Es handelt sich also bei einem Nennwert von EUR 1.000 um einen Betrag von EUR 58,70. Dieser Betrag wird mir beim Kauf der Anleihe ebenfalls in Rechnung gestellt. Ich erhalte dann mit der nächsten Zinszahlung den vollen Kuponbetrag, also 6,25% von EUR 1.000, das sind EUR 62,50.

Stellen wir Ertrag und Kosten nun einmal übersichtlich zusammen, unter der Voraussetzung, dass ich die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit halte und der Schuldner zahlt:

Kauf an der Börse

Kosten

Börsenpreis: EUR 910,00
Transaktionskosten: EUR 10,00
Stückzinsen: EUR 58,70
gesamt: EUR 978,70

Gutschriften

Zinszahlungen jeweils am 06.05.2014 bis 2019: 6 x EUR 62,50 = EUR 375,00
Rückzahlung am 06.05.2019: EUR 1.000,00
gesamt: EUR 1.375,00

Ertrag

Gewinn: EUR 1.375,00 – EUR 978,70 = EUR 396,20
Rendite: EUR 396,30 : EUR 978,70 = 0,405 = 40,5%
Dauer: etwas weniger als 5 Jahre und 1 Monat

Was wäre herausgekommen, wenn ich diese Anleihe gleich am Anfang gezeichnet (bestellt) und gekauft hätte?

Zeichnung der Anleihe

Kosten

Ausgabepreis: EUR 1.000,00
Transaktionskosten: EUR 10,00
gesamt: EUR 1.010,00

Gutschriften

Zinszahlungen: 6 x EUR 62,50 = EUR 375,00
Rückzahlung: EUR 1.000,00
gesamt: EUR 1.375,00

Ertrag

Gewinn: EUR 1.375,00 – EUR 1.010,00 = EUR 365,00
Rendite: EUR 365,00 : EUR 1.010,00 = 0,361 = 36,1%
Dauer: 6 Jahre

Der Kauf über die Börse wäre also aus heutiger Sicht die bessere Variante. Allerdings kann man nicht vorher wissen, wie sich der Börsenkurs entwickelt. Es hätte auch passieren können, dass der Kurs auf über 100% steigt. Die Kurse von Anleihen schwanken je nach Stimmung. Wenn Angst aufkommt, dass der Schuldner am Ende nicht zahlen könnte, oder dass Zinszahlungen ausfallen könnten, sinkt der Kurs.

Diese Anleihe könnte man nun auch vor Ende der Laufzeit wieder verkaufen. In dem Fall würden noch einmal Transaktionsgebühren anfallen und man bekäme die entsprechenden Stückzinsen gutgeschrieben.

Fazit:
Bei Anleihen, die zwar ein recht gutes, aber nicht gerade ein Top-Rating haben, lohnt es sich meistens, diese an der Börse zu kaufen, anstelle sie vorher zu zeichnen, da es oftmals bereits am Anfang der Laufzeit einen günstigeren Kurs gibt als den Ausgabepreis. Wie ich aber schon im vorigen Artikel erwähnt habe, sollte man sich der Risiken bewusst sein.

Nachtrag im Februar 2015:
Im speziellen Fall dieser Beispiel-Anleihe ist es wohl egal, ob man gezeichnet oder an der Börse gekauft hat, denn die Zahlungen bleiben aus, es wird geklagt.

Titelbild: Christian Riedel / pixelio.de

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